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15.09.2015

Bewegungsstörungen abmildern

Dank der Fuß- und Rumpforthese kann die kleine Patientin, die an schwerer Hypotonie leidet, selbstständig stehen. Foto: DCC

Dank der Fuß- und Rumpforthese kann die kleine Patientin, die an schwerer Hypotonie leidet, selbstständig stehen. Foto: DCC

Knapp zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an Zelebralparese. Durch eine verhinderte oder gestörte Entwicklung des zentralen Nervensystems fehlt den Betroffenen die Kontrolle über ihre Skelettmuskulatur. Lähmungserscheinungen und Bewegungsstörungen sind die Folge. Eine neuartige Input-Orthese kann diesen Menschen künftig helfen, ihre Körperwahrnehmung zu stärken und so eigenständig am täglichen Leben teilzunehmen. Das innBW-Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf (ITV) und die Firma Dynamics Competence Center (DCC) haben im Rahmen eines Forschungsprojektes flexible Ganz- und Teilkörperanzüge entwickelt, die gezielt Druck auf die Nervenzellen ausüben und so die räumliche und körpereigene Wahrnehmung der Patienten verbessern. Nach ersten Testläufen zieht das Forschungsteam eine positive Bilanz: Die Therapie von neuromotorischen Einschränkungen und Erkrankungen von Muskeln und Skelett wird durch die neuen Input-Orthesen wesentlich unterstützt und verbessert.

Die Input-Orthesen bringen den Körper aus der krankheitsbedingten Fehlhaltung aktiv in eine physiologische Mittelstellung, sodass Haltungs- und Bewegungsabläufe kontrolliert und verbessert werden. Das Entwicklungsprojekt wird von dem „Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand“ des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert und kommt noch in diesem Jahr zum Abschluss. Die therapeutischen Körperanzüge sollen im Jahr 2016 auf dem Markt erhältlich sein.

Die Grundlage für die Forschungen des innBW-Instituts ITV und der Firma DCC ist die wenig zufriedenstellende Orthopädietechnik, die bisher zur Gelenkstabilisierung bei den Patienten zum Einsatz kommt. Der Nachteil dieser Stützen: Die Materialien sind steif und unflexibel und blockieren die Gelenke der Patienten eher, anstatt sie zu unterstützen. Die dynamischen Input-Orthesen dagegen bestehen aus hochelastischen Stoffen, die neben einer verlässlichen Atmungsaktivität auch einen der Umgebung angepassten Wärmeaustausch garantieren. Ein guter Tragekomfort ist bei der Therapie sehr wichtig, damit die Orthese von den Patienten akzeptiert und angewendet wird. Um dies zu erreichen, fertigt das Forschungsteam individuelle Schnittkonstruktionen an, die patientenspezifisch eingestellt werden können. Das fördert die Beweglichkeit der Gelenke und stärkt die Muskulatur. Den Patienten wird ermöglicht, selbständig zu essen und zu trinken, sich an- und auszuziehen und besser am Leben teilzuhaben.

Das Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf (ITV) entwickelt innovative Verfahren und textile Produkte für die Industrie. Über die gesamte textile Produktionskette hinweg – vom Rohstoff bis zum Endprodukt - wird für ein weites Anwendungsfeld themenübergreifend Material- und Produktforschung betrieben. Produktionsnahe Technika, spezialisierte Labors und eigene Produktions- und Prüfverfahren ermöglichen die Lösung komplexer Aufgabenstellungen für die Industrie. Die Forschung, Entwicklung und Dienstleistungen des Institutes sind in sechs Geschäftsfeldern strukturiert. Faser- und Garntechnologien, Flächen- und Strukturtechnologien, Funktionalisierung, Innovative und Intelligente Produkte, Moderner Fabrikbetrieb sowie Prüflabore.

www.itv-denkendorf.de