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03.11.2014

Entwicklung eines implantierbaren Seh-Chips ausgezeichnet

Bei der Preisverleihung auf Schloss Fachsenfeld (von links): Jörn P. Makko, Dr. Wolf Harmening (Förderpreisträger), Prof. Dr. Hugo Hämmerle, Prof. Dr. Eberhart Zrenner (beide Träger des Hauptpreises)
und Ulrich Pfeifle, Vorsitzender Stiftung Schloss Fachsenfeld  (Foto: hag)

Bei der Preisverleihung auf Schloss Fachsenfeld (von links): Jörn P. Makko, Dr. Wolf Harmening (Förderpreisträger), Prof. Dr. Hugo Hämmerle, Prof. Dr. Eberhart Zrenner (beide Träger des Hauptpreises) und Ulrich Pfeifle, Vorsitzender Stiftung Schloss Fachsenfeld (Foto: hag)

Sie können Blinde sehend machen. Dafür erhielten Prof. Dr. Hugo Hämmerle, Institutsleiter am NMI, und Prof. Dr. Eberhart Zrenner (Universität Tübingen), den Reinhard-von-Koenig-Preis auf Schloss Fachsenfeld. Die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung wurde in diesem Jahr erstmals ausgelobt und erinnert an den letzten Bewohner des Schlosses, Baron Reinhard von Koenig-Fachsenfeld, der sich auf dem Gebiet der Aerodynamik einen Namen gemacht hat. Der Preis soll Menschen ehren, die mit Hilfe technischen Fortschritts zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen.

Das Forscherduo Hämmerle/Zrenner steht für ein ambitioniertes Ausnahmeprojekt in der Augenheilkunde. Zusammen mit einem 25-köpfigen Wissenschaftlerteam der innBW-Institute NMI und IMS CHIPS sowie der Universitätsklinik Tübingen entwickelten die beiden Forscher einen implantierbaren Seh-Chip, der unter die Netzhaut eingesetzt wird und die zerstörten Lichtzellen im Auge ersetzen soll. Blinde Patienten, die an einer erblichen Krankheit leiden durch die im Laufe des Lebens die lichtempfindlichen Zapfen und Stäbchen degenerieren, können durch den Seh-Chip wieder Objekte erkennen und große Buchstaben und Wörter lesen.

Acht Jahre Entwicklungsarbeit waren erforderlich, bis ein erster Prototyp einem Patienten implantiert werden konnte. Bis zur Zulassung des Seh-Chips dauerte es weitere acht Jahre. Ein wichtiger Meilenstein gelang 2003 mit der Gründung der Retina Implant AG, die die patentierten  Forschungsergebnisse in einen marktfähigen Seh-Chip umsetzte und inzwischen mit ihren mikroelektronischen Netzhautimplantaten weltweit führend ist. Die Entwicklung profitierte u. a. von den Ergebnissen und dem Know-how aus der MEA-Forschung des NMI – zum Beispiel bei der Integration von Mikroelektroden in das Implantatsystem (Siliziumchips) zur sicheren elektrischen Netzhautstimulation.